Mai 2025
📖 Zu dir rufe ich, HERR; denn Feuer hat das Gras der Steppe gefressen, die Flammen haben alle Bäume auf dem Feld verbrannt. Auch die Tiere auf dem Feld schreien lechzend zu dir; denn die Bäche sind vertrocknet.
Joel 1,19-20 (E)
Dieser Ruf stammt aus einer Zeit großer Not. Das Buch Joel beginnt mit der Beschreibung einer katastrophalen Heuschreckenplage und einer damit verbundenen Dürre. Die Ernte ist vernichtet, das Land ist verbrannt, und selbst die Tiere schreien nach Wasser. In dieser verzweifelten Lage wendet sich der Prophet Joel an Gott, nicht als letzter Ausweg, sondern als einzige Hoffnung. Er erkennt: Wenn alles versagt, bleibt nur noch einer, der helfen kann, der lebendige Gott. Diese Notlage war ein Weckruf für das Volk Israel. Sie hatte eine geistliche Dimension. Gott wollte sein Volk zur Umkehr rufen. Die äußere Krise spiegelte einen inneren Zustand wider, geistliche Trockenheit, Entfernung von Gott, ein Leben ohne Orientierung an seinem Willen.
uch in unserem eigenen Leben kennen wir solche Zeiten: Momente, in denen wir innerlich leer und kraftlos sind, als hätte ein Feuer alles verbrannt, was vorher noch lebendig war. Vielleicht fühlen wir uns emotional ausgelaugt, geistlich stumpf, mutlos und unfähig, voranzugehen. Die Quellen, aus denen wir sonst geschöpft haben, Freude, Gebet, Gemeinschaft, scheinen versiegt. Nichts fließt mehr. Kein Trost, kein Impuls, keine Hoffnung. Und gerade dann dürfen wir rufen. Auch unsere Klage ist Gebet. Auch unser Schweigen, unser Seufzen, unser „Ich kann nicht mehr“ ist ein Ruf, der das Herz Gottes erreicht. Der Prophet Joel lädt uns ein, ehrlich zu werden vor Gott, ohne Maske, ohne Fassade. Er zeigt: Gott hält unser Rufen aus. Mehr noch, Er antwortet. Vielleicht nicht sofort mit „Regen“, aber mit Nähe. Mit einem sanften, tröstenden „Ich bin da“.
Der Monatsspruch ist eine Einladung, in der Dürre nicht zu verzweifeln, sondern sich neu nach Gott auszustrecken. Es ist ein Ruf zur Umkehr, zur echten Sehnsucht, zur Wiederentdeckung unserer Quelle. Gott wartet nicht am Ende unserer Kraft, Er ist schon längst da, mitten in unserer Schwachheit. Und dort, wo wir wieder anfangen, Ihn zu suchen, da beginnt neues Leben. Auch wenn es zuerst nur wie ein zartes Pflänzchen aussieht. Es wird wachsen, weil Er es wachsen lässt.
Sei gesegnet 🙏 🤗
